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Tauchen Sie ein!
Tauchen und Unterkühlung (Hypothermie)
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Einleitung und Ursachen

Es soll ja ein paar Taucher geben, die es gerade in der kalten Jahreszeit unters Wasser und sogar unters Eis zieht. Dafür gibt es sehr verschiedene Erklärungen wie z.B. das Suchen nach Ruhe in der Natur, die Verbundenheit mit den Witterungserscheinungen (Schnee, Kälte, Wind), oder auch ganz einfach das Abenteuer. Ich empfinde beim Tauchen im Winter immer ein Höchstmaß an Freiheit und Verbindung mit den Naturerscheinungen. Allerdings empfinde ich irgendwann auch das Gefühl von Kälte. Solange sich die Kälte nach dem Tauchen oder kurz vor Ende des Tauchgangs einstellt und sich das warme Getränk in Reichweite befindet, ist ja alles in Ordnung. Nur sollten einem nicht bereits vorm Tauchen schon die Haare wegen der Gänsehaut zu Berge stehen.
Mir geht es in meinem Artikel um die Ursachen und Wirkungen der Unterkühlung und wie man sich davor schützen kann.

Wir hatten in unserem Tauchkurs einmal etwas von Wärmeleitung, Wärmeströmung, Wärmestrahlung und Verdunstung gehört. Diese Vorgänge sind an der Thermoregulation unseres homöothermen (gleichwarmen) Körpers beteiligt.

  1. Wärmeleitung (Konduktion): die Wärme wird durch Leitung z.B. über die Haut an die Luft abgegeben, solange die Luft kälter ist.
  2. Wärmeströmung (Konvektion): die Wärme wird an die umgebende Luft abgegeben, wobei ein Temperaturgefälle zwischen Haut und Luft vorhanden sein (Wind an der Haut oder vorbei strömendes Wasser beim Schwimmen begünstigen das).
  3. Wärmestrahlung: Wärmeaufnahme bzw. -abgabe, bei Temperaturdifferenz zwischen zwei Körpern, wobei kein Vehikel zur Wärmeübertragung notwendig ist (z.B. Haut und einige Meter entfernt ein Heizkörper, oder Haut und kalte Hauswand, dazwischen jedoch warme Wohnungsluft)
  4. Verdunstung: Wärme wird, wenn Konduktion und Konvektion bei hoher Außentemperatur nicht ausreichen, über Wasserverdunstung von den Schweißdrüsen abgegeben, ansonsten bei jeder Ausatmung.
Interessant ist, daß bei einer Umgebungstemperatur von z.B. 30°C im Wasser 75% mehr Wärme abgegeben wird als an der Luft. Denn Wasser ist ein viel besserer Wärmeleiter. Denken wir nun nicht mehr an die 30°C sondern an unseren kalten Winter, in dem wir ja lieber tauchen gehen wollten. Nicht nur im Wasser ist es kalt, sondern auch dort, wo wir uns aufhalten bzw. umziehen usw.. Leider gibt es hier zwischen dem Wärmebedarf (Summe von Wärmeproduktion und -aufnahme) und der Wärmeabgabe kein Gleichgewicht - die Wärmeabgabe überwiegt.
Der Trocki minimiert die Konvektion, denn er verhindert den direkten Kontakt der Haut zum Wasser und die Luft im Anzug ist ein schlechterer Wärmeleiter. Auch die Wärmeströmung wird durch das fehlende Temperaturgefälle unmittelbar an der Haut weitgehend verhindert.

Aber früher oder später kühlt jeder beim Tauchen in solchen Extremsituationen ab. Beim Trocki eigentlich kein Grund dafür? O, doch!! Allein das Einatmen von kalter Luft verbraucht zum einen unwahrscheinlich viel Energie, andererseits verlieren wir beim Ausatmen durch die Verdunstung von (warmem) Wasserdampf sehr viel Wärme. Energieverlust bedeutet auch immer Wärmeverlust. Beim Tauchen mit einem Kreislauftauchgerät kann zumindest der Wärmeverlust über die Verdunstung unserer Ausatemluft gedrosselt werden, da die Zufuhr kalter Luft durch das Prinzip des Gerätekreislaufs enorm reduziert wird. Denn hier wird die ausgeatmete warme Luft regeneriert und wieder zugeführt.
Das Gesicht hat oft direkt mit dem kalten Wasser Kontakt, manchmal auch die Hände bei Gebrauch von Neoprenhandschuhen. Dies bedingt durch ausgeprägte Konvektion und Konduktion auch bei relativ kleiner Angriffsfläche einen erheblichen Wärmeverlust. Denn v.a. der Gesichtsbereich ist gut durchblutet und kann gut Wärme nach außen leiten.

Anzeichen und Symptome

Einige Zeit können wir das Auskühlen mit einem gesteigerten Stoffwechsel, der sich im Muskelzittern äußert, und damit vermehrter Wärmeproduktion verhindern. Denn unser Körper will ja stets eine bestimmte Temperatur in seinem Inneren (sog. Kerntemperatur von 37°C) aufrecht halten. Dafür zieht er nach und nach alle Register. Weiterhin wird die Wärmeabgabe durch Zusammenziehen von kleinen hautnahen Blutgefäßen gedrosselt. Es kommt zur Gänsehaut. Weiter als bis hierher sollten wir es bei unserer winterlichen Tauchaktivität nicht kommen lassen. Denn noch können wir den Tauchgang sicher zu Ende bringen bzw. sollten ihn umgehend abbrechen, bevor wir durch die Kälte zu unachtsam werden. Das Risiko eines Dekounfalls erhöht sich, da bei geringen Temperaturen mehr Stickstoff im Gewebe gelöst werden kann (Gesetz von Henry) und durch die Kontraktion von Blutgefäßen an der Haut die Stickstoffabgabe verzögert wird. Zuvor eventuell aufgenommener Alkohol begünstigt zusätzlich die ohnehin schon vermehrte Adrenalinausschüttung (nötig für die vermehrte Wärmebildung). Es kommt zu Unruhegefühl, Konzentrationsstörungen und Verminderung manueller Fähigkeiten. Möglicherweise können dadurch Tarierhilfen wie der Inflatorknopf an Jacket oder Trocki nicht mehr optimal bedient werden.
Insgesamt sind wir in diesem Stadium der Unterkühlung noch bewußtseinsklar. Im weiteren Verlauf, in dem die Körperkerntemperatur auf Werte unter 34°C absinkt, kommt es zu Muskelstarre und -lähmung, Bewußtseinsverlust, Minderung von Herzfrequenz und Blutdruck und schließlich zum Herz-Kreislauf-Stillstand.

Erste Hilfe und Tipps zur Vorbeugung

Haben wir uns beim Tauchen doch etwas überschätzt, sollten wir so schnell wie möglich ins Warme und etwas Warmes zu uns nehmen. Es muß unbedingt trockene Kleidung angezogen werden. Mütze aufsetzen, denn am Kopf kühlt man besonders schnell aus. Die Alu-Rettungs-Decke bietet einen sehr guten Wärmeschutz. Wenn das Stadium des Muskelzitterns überschritten ist und allmählich das Bewußtsein eintrübt, sollte eher der Arzt helfen mit langsamer Zufuhr warmer Infusionen und einem intensiven EKG-Monitoring. Denn nun könnte es bei zu schnellem inneren Erwärmen zu Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand kommen; nämlich dann, wenn das periphere kältere Blut zu schnell ins Herz gelangt (sog. Wiedererwärmungsschock). Auch der nun wieder erhöhte Sauerstoffverbrauch spielt eine Rolle.

Soweit soll es nicht kommen. Deshalb nun einige Tipps zur Vermeidung solcher Probleme:
  1. im Winter / bei Kälte immer im Trockentauchanzug (evtl. als Kompromiß im Halbtrockenen) tauchen zur Verminderung der Wärmeabgabe (Konvektion, Konduktion)
  2. vorm Tauchen warme alkoholfreie Getränke zu sich nehmen
  3. für einen Platz zum Aufwärmen und für warme Speisen/Getränke nach dem Tauchgang sorgen
  4. bei Kältegefühl und Muskelzittern bereits vorm Tauchen erst optimal aufwärmen, ansonsten Tauchvorhaben abbrechen
  5. bei Unwohlsein konsequent nicht tauchen, da durch allgemeine Schwächung Kältezittern eher auftreten kann
  6. Vorsicht bei Anwendung von Heizmaterial (Heizpäckchen) im Tauchanzug! Es kann zu lokalen Verbrennungen kommen.
Das Tauchen in der kalten Jahreszeit kann zu einem unvergeßlichen Erlebnis werden bei Beachtung weniger Regeln und einem hohen Maß an Selbstdisziplin. Ich freue mich nach dem Tauchen immer auf das fröhliche Zusammensitzen in einem warmen gemütlichen Restaurant.

Ulrike Silbermann,
Ärztin

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