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Tauchen Sie ein!
Das Wrack der Thistlegorm und weitere Tauchspots bei Sharm El Sheikh
Text & Fotos: Copyright © by Norbert Roller
Grafik: Copyright © by Ulrich Mößlang

Die Küstenlinie von Sharm el Sheikh hat eine einzigartige Oberflächenbeschaffenheit. Bei Ras Nasrani, gegenüber des Gordan Reef, verschwinden plötzlich die sonst für diesen Teil des Sinai so typischen flachen Strände, und schroffe Felsklippen ragen senkrecht aus dem Meer. An verschiedenen Stellen dieser oben flachen Felsklippen, vor allem bei Ras Mohammed, sind bis heute die Spuren versteinerter Korallen zu sehen - sie sind ein Hinweis auf die Entstehungsgeschichte der Küstenstruktur: Das gesamte Riff wurde hier von gewaltigen Naturkräften aus dem Meer gehoben. Die Felsenküste beginnt bei Ras Nasrani und setzt sich nahezu ununterbrochen bis zur Westseite von Ras Mohammed fort, wo ab dem Quay wieder flaches Terrain vorherrscht. Der 65km lange Küstenabschnitt von Sharm el Sheikh gehört zu den üppigsten und berühmtesten Korallenriffen der Welt.

Grafik mit freundlicher Genehmigung durch unseren Sportfreund © Ulrich Mößlang aus www.moesslang.net entnommen
Hier gibts auch eine größere Variante mit lesbarer Beschriftung


"SS - THISTLEGORM"

Schon um 4 Uhr wurden wir aus dem Schlaf gerissen und ohne Frühstück direkt auf das Safarischiff gebracht. Wir liefen kurz vor Sonnenaufgang aus und konnten diesen wenig später, wenn auch mit leichter Müdigkeit im Blick, genießen. Die Anfahrt dauerte knapp 5 Stunden und ging entlang der Küste, vorbei am Ras Mohamed und ab der Sinai-Südspitze nach Norden in Richtung Suez. Schon von weitem konnten wir die Stelle erkennen, wo sie gesunken war, denn es lagen dort schon zahlreiche Boote. Eines war klar: Dies war an diesem Tag ein sehr begehrter Tauchplatz!

Die Ausrüstung war schnell angelegt und schon waren wir zur Erkundung unterwegs. Da die Boote direkt über dem Wrack ankerten, konnten wir ohne Probleme in der starken Strömung sicher direkt abtauchen. Schon nach wenigen Meter sahen wir das 131m große Wrack unter uns. Für den ersten Tauchgang hatten wir uns eine Umrundung und erst für den zweiten Tauchgang die Laderäume vorgenommen. Direkt am Ende der Ankerleine stießen wir auf einen der beiden Tankeisenbahnwagen, die zwar leicht eingedrückt, aber ansonsten fast unbeschadet und noch immer festgezurrt auf dem Oberdeck standen. Wir wechselten auf die andere Seite und erkundeten einen der "Paravane", den wir zuerst für einen Torpedo hielten. Diese wurden neben dem Schiff entlanggezogen und sollten bei Bedarf die Verankerungen von Wasserminen zerschneiden.
Lange konnten wir uns jedoch bei dieser starken Strömung auf dem Vorderdeck nicht aufhalten, denn wir wollten den Bug am tiefsten Punkt bei 31m umrunden und dann mit der Strömung die andere Seite erkunden und mit mindestens 80bar in der Flasche am Ankerseil wieder auftauchen. Hinter der ehemaligen Brücke erreichten wir ein Trümmerfeld, in das offensichtlich die Granate des angreifenden Heinkel He111 Wehrmachtsflugzeuge eingeschlagen war. Während das größere Vorderteil noch aufrecht im Sandboden steht, ist der Bug durch die Explosion fast abgesprengt und stark nach links abgekippt. Der mächtige Propeller, der von einem dreizylindrischen Expansionsmotor mit 1860PS angetrieben wurde, hat einen Durchmesser von etwa 5m. Am Ruder angelangt wechselten wir auf die andere Seite und stiegen langsam zum Oberdeck auf. Unser nächstes Ziel war hier das, noch aus dem ersten Weltkrieg stammende gepanzerte Maschinengewehr, das vollständig von Korallen besetzt und mit Schwämmen bewachsen war.
Über dem Trümmerfeld schwebend erkannten wir einzelne Munitionskisten sowie einen der beiden mitgeführten MK II Brenn Carrier (WWII Allround- Panzerfahrzeuge). Das 4,5 Tonnen schwere Panzerfahrzeug war fast bis zur Unkenntlichkeit bewachsen. Zu den Munitionskisten hielten wir gebührenden Abstand. Sicher ist sicher! Einen Exkurs zu einer der in etwa 20m entfernt liegenden Lokomotive müßen wir bedingt durch die starke Strömung und die schlechte Sicht aufgeben. Der restliche Rückweg führte uns über einen Eisenbahn - Kohletender zurück zur Ankerwinsche. Wir erhaschten noch einen kurzen Blick in die Laderäume und schon ging es an unserer Ankerleine aufwärts. Dies war für uns ein überwältigender Tauchgang, und der Ausblick in wenigen Stunden die Laderäume zu erkunden, verdoppelte unsere Begeisterung.

Nach einem kleinen Mittagessen folgte eine kurze Ruhepause. Im kurzen Abstand von nur 2 Stunden wollten wir zum nächsten Tauchgang aufbrechen. Während wir uns noch in der Sonne aalten, verpaßten wir ein Erlebnis der besonderen Art. Eine Schule Delphine erschien zwischen den Booten, und nach einigen neugierigen Kreisen um die auf der Oberfläche dümpelnden Taucher tauchten diese zum Wrack hinunter. Das wäre es gewesen! Leider hatten wir noch eine Stunde Entsättigung vor uns und konnten es nur neidvoll beobachten. Schon beim erneuten Abtauchen merkten wir, daß die Strömung nahezu nachgelassen hatte und damit die Bedingungen für einen "nicht geführten Tauchgang" deutlich besser. Wir ließen der Gruppe den Vortritt und schwebten, mit reichlich Abstand in den ersten Laderaum. Jeder besteht aus zwei Etagen. Auf der oberen Etage fanden wir Morrisonfahrzeuge in unterschiedlichem Grad des Verfalls. Wir schwebten zwischen der niedrigen Decke und den Fahrzeugen und versuchten, möglichst wenig Sedimente aufzuwirbeln. Die Motorhauben sowie sonstige dünnwandigen Blechteile waren vielfach weg korrodiert. Die frei gelegten Motorblöcke wirkten wie geschmolzenes Metal. Die Kühler waren schon vollständig verkrustet und teilweise mit Schwämmen besetzt. Das Besterhaltendste waren die Reifen, denen man die letzten 56 Jahre nicht ansehen konnte. Die untere Etage, in der Kisten mit Mk3 - Gewehren und sonstigen Kleinteilen lagerten, hatten wir vor lauter Begeisterung gar nicht mehr besucht.

Im zweiten Laderaum fanden wir die Überreste der BSA WDM20- Motorräder, die größtenteils auf den Ladeflächen der Bedford- Lastwagen deponiert waren. Leider hat nicht nur der Verfall sondern auch die Sammelwut vieler Taucher die Motorräder geschädigt. Während wir tiefer in den hinteren Laderaum vordrangen, entdeckten wir noch Flugzeugtragflächen und allerhand andere Ersatzteile. Etwas gespenstig war dann der Bereich mit einer riesigen Menge Gummistiefel, die schon wie zuvor bei den Reifen bemerkt, noch im besten Zustand befanden. Diese gefüllt mit Luft an die Decke zu "kleben", wie wohl viele Taucher vor uns, haben wir uns gespart. Durch ein größeres Loch in einer Trennwand gelangten wir direkt über das Trümmerfeld. Voller neuer Eindrücke und mit einem vollen Film ließen wir uns zu den Deckaufbauten hinauftreiben. Nach einem kleinen Zickzackkurs zur Ankerleine beginnen wir unseren letzten Aufstieg.


Die "Straße von Tiran"

bildet den recht engen Durchlaß vom Roten Meer zum Golf von Aquaba, daher ist an den Tauchplätzen Gordon Thomas, Woodhouse und Jackson und an der Laguna immer mit viel Strömung zu rechnen. Viel Strömung! Soviel Strömung, dass ein Gefühl des Fliegens entsteht. Anhalten oder gar Umkehren ist ausgeschlossen. Am beeindruckendsten ist die Washing- Machine am Ende des Woodhouse Reefs. Die Strömung und der damit verbundene Nahrungsüberschuss sind auch die Gründe dafür, daß hier ein enormer Reichtum an Fischschwärmen und Großfischen herrscht. Das Gordon Reef liegt am südlichsten und ist von Sharm El Sheikh aus gut zu erkennen. Es wird von dem Wrack THE LOUILLA gekrönt, die während eines Sturmes mit einem Maschinenschaden auf das Reef geschwemmt wurde und dort gemütlich verrostet. Angeblich wurde es noch zwei Jahre nach der Havarie von einem Matrosen bewohnt, der den Besitzanspruch des Eigners wahren sollte. Das Thomas-Reef ist ein steiler und reich bewachsener Hang mit riesigen Gorgonien. Die starke Strömung bietet den Haien einen idealen Schlafplatz. Schreckt man diese Weisspitzen Riffhaie auf, so schwimmen sie träge außer Sicht. Wir hatten Glück und konnten zwei gut 3m lange Räuber schon bei unserem ersten Tauchgang aus "sicheren" 30m beobachten. Leider ohne Foto, aber mit Video. Auch Schildkröten sind hier keine Seltenheit.


"Ras Um Sid"

Ras bedeutet im arabischen Fels oder Felsblock, und das charakterisierte diesen Tauchplatz, der rund 7km südlich der Na'ama Bay in der Nähe des Hafens von Sharm El Sheikh liegt.
Ras Um Sid kann auch sehr leicht vom Land betaucht werden. Dieser Tauchplatz ist am Ende einer Landzunge, die sich unter Wasser fortsetzt und bedingt durch die Strömung exzellente Wachstumsbedingungen für Gorgonien hat. Einen ganzen Gorgonienwald fanden wir am DropOff zwischen 10m und 30m. Beim richtigen Stand der Sonne schillern die Strahlen durch die in die Strömung gereckten riesigen Fächer. Für uns war dies ein OpenWater-Fotostudio.
Neben, in und um den Gorgonien geht es bunt zu. Nahezu alles, was das Rote Meer zu bieten hat fanden wir am Riff. Jeder Millimeter des Riffs war in einem unversehrten Zustand und dicht bewachsen mit Weich- und Hartkorallen. In einem Einschnitt auf 5m fanden wir eine kleine Höhle, die fast vollständig mit Glasfischen gefüllt war. Napoleons, Barakudas und Barsche fand man an nahezu jeder "Ecke". Die Strömung war trotz der exponierten Lage schwach, und so konnten wir dieses fotogene Riff ausgiebig erkunden.



"Tower"

liegt etwa 10 Minuten südlich der Naama Bay. Die neuen Hotelkomplexe liegen rund um diesen Einschnitt im Riff. Die daraus entstandene Bucht ist durch steil abfallende Wände gekennzeichnet. Am Südhang gibt es einen alten Korallenturm, der dem Tauchplatz den Namen gab. Der schönere Teil liegt jedoch heute auf der Nordseite der Bucht. Um vom Startpunkt auf der Südseite zur Nordseite zu gelangen, haben wir die Abkürzung über die Bucht, die knapp 30 Meter tief ist, gewählt. Als wir die Nordseite gerade erreichten, "flogen" zwei Mantas auf der Suche nach Plankton heran. Völlig unbeeindruckt von der Tauchgruppe weideten sie in der Bucht und wir hatten die Möglichkeit, ihnen mit der Kamera zu folgen. Die bequemen Schiffshalterfische kann man an der Unterseite wunderbar erkennen. Nach dieser atemberaubenden Begegnung, wir hatten fast 100 Bar verbraucht, um mit den Mantas in der Tiefe von 15 Meter mit für uns hoher Geschwindigkeit zu schwimmen, folgten wir dem Riffverlauf nach Norden. Die Höhlen im Bereich von 20 und 30 Meter haben wir nur kurz besucht und uns dann auf den Rückweg begeben. Dieser Tauchplatz bot sicherlich mehr, als wir in dieser kurzen Zeit entdecken konnten..





"Far Garden"

war neben dem Hausriff der Sinai Divers direkt an der Basis sicherlich der meistbetauchte Platz. Er liegt im Norden der Naama Bay und konnte in wenigen Minuten mit dem Boot erreicht werden. Direkt oberhalb des Riffs wird gerade ein weiterer Hotelkomplex gebaut, und leider konnten wir dies auch im oberen Teil des Riffs am Bauschutt und den Eisenstangen erkennen. Der Tauchplatz eignet sich hervorragend für Nachttauchgänge, was wir auch ausgiebig genutzt haben. Die Sicht ist je nach Strömungsstärke und bedingt durch den Sandboden nicht so gut, aber 20m sind immer drin. Im 25 Meter Bereich befindet sich auf dem Sandboden eine größere Zahl vollständig bewachsener Korallenblöcke, die teilweise bis wenige Meter unter die Wasseroberfläche reichen. Wir tauchten im Zickzack um die Korallenblöcke bis zum Ende der Bucht. Dort wechselte die Strömung, und wir hatten Mühe, nicht um die Ecke in die Straße von Tiran gezogen zu werden. Den angeblich wunderschönen Überhang in 40 Meter Tiefe konnten wir bedingt durch die Strömung nicht besuchen. Kurz vor dem Wendepunkt und schon in der starken Strömung standen zahlreich Schwärme verschiedenster Rotmeerfische. Den Rückweg legten wir direkt am Ufer entlang zurück. Dort gibt es eine schöne Höhle, die vollständig mit Glasfischen gefüllt ist.

Epilog

Sharm el Sheikh war für uns mit der Straße von Tiran, dem Unterwasserpark Ras Mohamed und natürlich den tollen Wracks in erreichbarer Nähe ein tolles Erlebnis. Die Riffe werden geschützt und sind in hervorragendem Zustand. Und dies trotz der vielen Taucher. Die Tauchbasis Sinai Diver können wir wärmstens empfehlen, da nicht nur der Service stimmte sondern uns auch die Zuverlässigkeit und Freundlichkeit sehr beeindruckt hat. Die Vielzahl der Tauchboote (15!) bietet erhebliche Abwechslung, und man kann je nach Wunsch das Boot und damit das Ziel wechseln.


Unser Dank für diesen Bericht gilt den Sportfreunden Christine und Norbert Roller. Weitere schöne Reiseberichte findest Du auf ihrer Homepage unter www.kacr.de Für Fragen stehen die Autoren gern zur Verfügung.

Stand: Mai 1999


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