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Tauchen Sie ein!
Geschichte der UW-Fotografie -
Meilensteine auf dem Weg zur heutigen Technik
Copyright © by M. Uhlmann / 200bar.de

Mittlerweile ist es nichts besonderes mehr, seinen lieben Verwandten ein paar Schnappschüsse von der im Tauchurlaub erlebten Unterwasserwelt präsentieren zu können. Auf Hochglanzfarbpapier gebannte Riffbewohner werden jedes Jahr in unzählbare Fotoalben verbannt. Der eine oder andere ambitionierte Hobbyfotograf wird auch zum abendlichen Diavortrag einladen können. Das erste Unterwasserfoto allerdings entstand vor über 140 Jahren. Im Jahre 1856 gelang dem Engländer William Thompson in 6m Tiefe die erste Aufnahme unter Wasser...

Als Geburtsstätte der eigentlichen UW-Fotografie gilt aber eine Bucht vor dem kleinen Ort Banyuls-sur-Mer an der französischen Mittelmeerküste. Louis Boutan, ein Wissenschaftler aus Paris war es, der hier mit einem Helmtauchgerät und einer von ihm konstruierten UW-Kamera seine ersten Unterwasseraufnahmen machte und diese 1893 auch veröffentlichte. Ihm zur Seite stand der Mechaniker Joseph David. Bereits seit 1882 beschäftigte sich Louis Boutan mit den Problemen der Unterwasserfotografie. Er schlug sich dabei mit den gleichen Aufgaben herum, mit denen die Tauchsportler heute im Falle eines Selbstbaus von UW-Kameragehäusen kämpfen. Bei der Konstruktion seiner UW-Kamera hatte Boutan jedoch schon damals nahezu alle heute noch notwendigen Elemente entwickelt: Einstellmöglichkeiten, Auslöser, Druckkompensation, Blitzanschluß, Kunstlicht in Form von Bogenlampen und Magnesiumblitz wurden von ihm erdacht. Fertige Gehäuse (evtl. noch mit Dichtigkeitsgarantie vom Herseller) gab es nicht, alles wurde selbst entwickelt und gebaut. Rückschläge waren hier an der Tagesordnung. Diese sind - damals wie heute - mitunter recht teuer. Seine Geräte waren unhandlich, sogar unförmig und schwer. Jedoch war es auch mit ihnen möglich, zu guten Aufnahmen zu kommen.

Boutan benutzte eine Plattenkamera im 9 mal 12 Format, die er in ein wasserdichtes Gehäuse mit Druckausgleich einbaute. Die Kolloidemulsion seiner Platten war von einer so geringen Lichtempfindlichkeit, dass er die Aufnahmen vom Stativ machen mußte und die Belichtungszeiten 30 Minuten betrugen. Um diese langen Belichtungszeiten zu vermeiden, verwendete Boutan wenige Jahre danach eine Kunstlichtquelle in Form von Magnesiumpulver. Da auch dies keine endgültige Lösung zu sein schien, benutzte er später Bogenlampen mit Akkumulatoren als Stromversorgungsquelle. 1899 machten die beiden schon Aufnahmen im 50m Wassertiefe nur mit Kunstlicht.

Zu jener Zeit versuchten sich noch viele andere auf dem Gebiet der UW-Fotografie, so auch Wilhelm Bauer, der Konstrukteur des legandären "Brandtauchers". Der Engländer Francis Ward veröffentlichte Bücher über das Meeresleben, die sich mit der Biologie befaßten und Humphrey schrieb eine Abhandlung über "submarine Photography" in den USA, um nur einige zu nennen. Vorreiter bei den "bewegten Bildern" war der Amerikaner John Ernest Williamson. Mit einem UW-Kameragehäuse drehte er 1914 auf den Bahamas seinen ersten UW-Film, der als "The Williamson Expedition Submarine Motion Pictures" weltweit gezeigt wurde. Etwas später arbeitete er dann auch mit Jules Verne für dessen "20 000 Meilen unter dem Meer" zusammen.

Die ersten Farbaufnahmen wurden 1926 gemacht. William Longley und Charles Martin benutzten dafür Autochromplatten, welche Lumiere entwickelte. Die Fotos aus der Karibik wurden im Januarheft des nächsten Jahres im National Geographic Magazine veröffentlicht. Das reproduzieren von Farbaufnahmen in Druckmedien war ja kein Problem mehr. Nur Farbabzüge wie wir sie heute kennen waren nicht möglich, bzw. wegen des hohen Preises der Druckplatten nur für hohe Auflagen von Postkarten oder ähnlichem geeignet.

Allseits bekannte Persönlichkeiten aus jüngeren Zeiten sind der Östereicher Hans Hass sowie der französische Marineoffizier Jaques Yves Cousteau. Seit Anfang der 40er Jahre veröffentlichte Hass etliche bebilderte Werke und hat sich zusätzlich auch um die technische Weiterentwicklung der UW-Fotografie verdient gemacht. Die Konstruktion des autonomen Tauchgerätes, an der auch Costeau beteiligt war, brachte 1942 einen weiteren Auftrieb. Außerdem wurde nach Cousteaus Anregungen vom Belgier Jean de Wouters die erste wasserdichte Kleinbildkamera konstruiert, welche dann später unter dem Namen "Calypsophot" auch in größeren Stückzahlen gebaut wurde. Die Rechte daran sicherte sich bald der japanische Kamerakonzern Nikon - die Geburtsstunde der Nikonos - Kameras.

Die heutzutage im Fachhandel erhältliche Fototechnik würden den Herren Boutan und David wahrscheinlich die Freudentränen in die Augen treiben. Von der wasserfesten Knipskiste bis zum professionellen Kamerasystem ist für jeden Anspruch und Geldbeutel etwas dabei. Hochwertige Objektive und feinkörniges Filmmaterial mit satten Farben sorgen für ein hohes Maß an Qualität. Durch technische Hilfsmittel wie z.B. Belichtungsautomatik, Autofokus und TTL-Steuerung des angeschlossenen Blitzes kann sich der Fotograf immer mehr auf Bildkomposition und Motiv konzentrieren. Auch die technischen Fortschritte im Bereich der Digitalfotografie lassen aufhorchen. Ich persönlich bin weiterhin mehr als gespannt, was hier in den nächsten Jahren auf uns zukommen wird.


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